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Deutschland und seine Nachbarstaaten gehören zu den reichsten Ländern der Welt. Wie die meisten Länder der Europäischen Union (EU) hat auch Deutschland ein funktionierendes Sozialsystem, das die Menschen vor den Folgen von Krankheit, Arbeitslosigkeit Arbeitslosigkeit schützt und sie im oder Alter schütztabsichert. Dennoch sind immer mehr Menschen in Deutschland von Armut bedroht, wie der 4. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung feststellt.
4. Armuts- und Reichtumsbericht
Etwa alle vier Jahre veröffentlicht die Bundesregierung einen Armuts- und Reichtumsbericht, der die wirtschaftliche und soziale Lage der Deutschen wissenschaftlich dokumentiert. Er enthält auch Hinweise auf politische Maßnahmen, mit denen Armut vermieden und bekämpft werden soll.
Der aktuelle Bericht zeigt, dass sich die Kluft zwischen Reich und Arm in den vergangenen zehn Jahren vergrößert hat. So ist der Anteil der Menschen, die in Armut leben, von 10,4 Prozent im Jahr 1998 auf 15,1 Prozent im Jahr 2011 gestiegen. Diese Entwicklung ist laut dem Bericht in erster Linie auf drei Ursachen zurückzuführen:
- Immer mehr Menschen arbeiten in atypischen Beschäftigungsverhältnissen ― beispielsweise als geringfügig Beschäftigte oder Leiharbeiter. In diesen Bereichen werden aber meist nur Niedriglöhne bezahlt.
- Der soziale Aufstieg durch Bildung ist in Deutschland schwieriger als in anderen Ländern. Kinder, die in armen Verhältnissen geboren werden, haben schlechtere Aufstiegschancen als Gleichaltrige aus besseren Verhältnissen.
- Die Umverteilungswirkung des Sozialsystems ist gesunken. Dies bedeutet, dass der Sozialstaat zwar noch immer erheblich zur Armutsvermeidung beiträgt, damit jedoch weniger als noch in den Jahren zuvor bewirkt. So konnte im Jahr 1998 die Armutsgefährdungsquote durch Sozialtransfers noch um knapp 45 Prozent gesenkt werden. Im Jahr 2009 gelang dies dann nur noch zu einem Drittel.
Quellen: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Hrsg.): Lebenslagen in Deutschland – 4. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, Entwurf vom 21. November 2012, Deutscher Gewerkschaftsbund (Hrsg.): Soziale Schere klafft weiter auseinander: Zum neuen Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, Arbeitsmarkt aktuell Nr. 8, Dezember 2012.
Sozialstaat Deutschland
Im Duden wird das Wort „sozial“ mit folgenden Begriffen umschrieben: die Gesellschaft, die Gemeinschaft betreffend, gesellschaftlich, gemeinnützig, wohltätig. Die Bundesrepublik Deutschland ist laut Grundgesetz (Artikel 20, Absatz 1) ein „demokratischer und sozialer Bundesstaat“. Deshalb gibt es in Deutschland ein Sozialsystem, das nach dem so genannten Solidarprinzip funktioniert. Arbeitnehmer und Arbeitgeber zahlen je zur Hälfte Beiträge in die gesetzliche Sozialversicherung ein. Mit diesem Geld werden diejenigen unterstützt, die weniger oder gar nichts einzahlen können, weil ihre Mittel dürftig sind oder sie in Not geraten sind. „Einer für alle, alle für einen“ – das gilt zum Beispiel für die Finanzierung der Kranken- und Pflegeversicherung oder der Rentenversicherung. Wer mehr hat, zahlt auch mehr, allerdings nur bis zu einer bestimmten Obergrenze, der Beitragsbemessungsgrenze.
Wenn aber nicht mehr genug Menschen Arbeit haben und es immer mehr ältere Menschen und immer weniger junge berufstätige Menschen gibt (demografischer Wandel), werden die Beiträge, die in die Sozialversicherungen eingezahlt werden, weniger. Ein Ungleichgewicht zwischen Einnahmen und Ausgaben entsteht. Aufgabe des Staates ist es, das Sozialsystem diesen Änderungen anzupassen. Er muss dafür sorgen, dass Kosten und Leistungen der sozialen Sicherung für jeden bezahlbar und erreichbar bleiben. Andererseits müssen die Bürgerinnen und Bürger stärker selbst aktiv werden und zum Beispiel mit privater Altersvorsorge Verantwortung für die eigene soziale Absicherung übernehmen.
Wie die soziale Sicherung in anderen Ländern der EU organisiert ist, wird auf der nächsten Seite erklärt.





