Sozialversicherung


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Meilensteine der sozialen Sicherung

Auf Betreiben seines Reichskanzlers Otto von Bismarck kündigte Kaiser Wilhelm I. in der Kaiserlichen Botschaft vom 17. November 1881 Gesetzesvorlagen über die soziale Absicherung von Arbeitern an. 1883 wurde dann die gesetzliche Arbeiterkrankenversicherung eingeführt, 1884 die Unfallversicherung, 1889 die Alters- und Invalidenversicherung für Arbeiter.

Nachdem Anfang des 20. Jahrhunderts die Versicherungen auf Angestellte (ab 1912) sowie auf die im Bergbau Beschäftigten (1923) ausgeweitet worden waren, kam 1927 noch die Arbeitslosenversicherung hinzu. Als letzter der fünf Zweige der heutigen gesetzlichen Sozialversicherung wurde 1995 schließlich die Pflegeversicherung eingeführt.

Der Safety 1st-Zeitgenerator gibt einen Überblick über die Geschichte der sozialen Sicherung.

Grundlage: Grundgesetz

Der Artikel 20 des Grundgesetzes bestimmt: Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat. Mit zahlreichen Sozialleistungen, die heute noch viel mehr umfassen als die gesetzliche Sozialversicherung (zum Beispiel Sozialhilfe oder Ausbildungsförderung), greift der Sozialstaat korrigierend ein, wo ein freier Wettbewerb auf dem Markt sozial unerwünschte Nachteile bringt. Für diese Wirtschaftsordnung hat sich der Begriff soziale Marktwirtschaft durchgesetzt.

Die wichtigsten Begriffe der sozialen Sicherung: Was heißt ...

... sozial?

[lateinisch] die menschliche Gesellschaft betreffend; () das Gemeinwohl betreffend; () auf das Wohl der Allgemeinheit bedacht; gemeinnützig, menschlich, wohltätig, hilfsbereit.

(Quelle: Duden Das Fremdwörterbuch; Dudenverlag; 5. Auflage; Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich 1990; Sp. sozial.)

... Sozialversicherung?

Die gesetzliche Sozialversicherung umfasst heute fünf Zweige:

Es gibt einige Strukturelemente, die die gesetzliche Sozialversicherung von der privaten Individualversicherung unterscheiden: Die Leistungen werden per Gesetz festgelegt. Die Angehörigen der Sozialversicherungen sind größtenteils pflichtversichert: So sind zum Beispiel alle Arbeitnehmer in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert.

Die Beiträge zur Sozialversicherung werden nach dem Solidarprinzip ermittelt. Das heißt: Wer mehr hat, zahlt bis zu einer bestimmten Obergrenze, der so genannten Beitragsbemessungsgrenze

... Sozialstaat?

Im Jahr 1949 tritt das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland in Kraft. In Artikel 20 heißt es: Die Bundesrepublik ist ein freiheitlicher, demokratischer und sozialer Rechtsstaat. Sozialstaatlichkeit ist damit Verpflichtung für die Politik. Der Staat soll die Existenzgrundlagen seiner Bürgerinnen und Bürger sichern und für den Ausgleich zwischen den sozial Schwachen und den sozial Starken sorgen. Mit der Absicherung des Alters und der wichtigsten Lebensrisiken wie Krankheit, Pflegebedürftigkeit, Arbeitslosigkeit wird das Gebot der Sozialstaatlichkeit umgesetzt.

... soziale Marktwirtschaft?

Ludwig Erhard gilt als Vater der sozialen Marktwirtschaft in Deutschland. Nach dem Zweiten Weltkrieg verband er als Wirtschaftsminister den freien Wettbewerb des Marktes mit den Ideen von sozialer Gerechtigkeit und Absicherung. Die Entscheidungsfreiheit des Einzelnen bleibt bestehen, aber der Staat greift regulierend ein, wenn die Wirtschaft soziale Ungerechtigkeiten schafft der Einzelne hat Anspruch auf einen angemessenen Lebensstandard und ein menschenwürdiges Leben. Diese Haltung prägt unser Wirtschafts- und Sozialsystem bis heute.

Angefangen hat alles mit Bismarck in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Damals war nach der industriellen Revolution die so genannte soziale Frage besonders drängend geworden: Die Arbeiter in den neuen Industriezentren verdienten kaum etwas und arbeiteten mit minimalem sozialen Schutz sie waren vor allem bei Arbeitsunfähigkeit, einem Unfall, Krankheit oder im Alter dem daraus folgenden Verdienstausfall weitgehend hilflos. Not und Elend gehörten zur Tagesordnung. Nur einige wenige Unternehmer boten ihren Beschäftigten einen gewissen Schutz mit betrieblichen Sicherungssystemen für die Versorgung im Alter oder im Falle eines Unfalls.
 
Kommentar [2 Kommentare]

find isch gut un so am 09.09.2016 / 10:14 Toll, aber zu viel und gerade keine Lust zu lesen. Name: am 26.02.2014 / 13:39 ...

Zusätzliche Informationen

Themen [Sozialversicherung]

Themen Sozialversicherung: Soziale Sicherung | Grundlagen | Solidar- und Äquivalenzprinzip | Zweige | Wandel | Reformen

Wissenswert

Lexikon: Solidarprinzip
Lexikon: Soziale Marktwirtschaft
Special: Was heißt hier sozial?

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