Sozialversicherung


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Leben in der Risikogesellschaft

Die Zeiten sind vorbei, in denen man im Alter von 18 Jahren den „Beruf fürs Leben“ ergreift, den man bis zur Rente ausübt. Die technologische Entwicklung wird immer rasanter, das Wissen veraltet immer schneller, ständig entstehen neue Berufsbilder.

Treffen die Prognosen zu, wird schon im nächsten Jahrzehnt der Großteil der Arbeit aus Tätigkeiten bestehen, bei denen Daten der Rohstoff, das Werkzeug und das Resultat sind – daher die Bezeichnung Informationsgesellschaft. Neue Arbeitsplätze werden vor allem im Bereich Dienstleistungen entstehen: beraten, informieren, entwickeln, organisieren, vernetzen.

Künftig wird der Hauptteil des Produktivitätszuwachses durch Bildung, Forschung und neue Formen der Organisation von Arbeit und Unternehmen erwirtschaftet. Das fordert von den Arbeitnehmern ständige Weiterqualifizierung, hohe Flexibilität und Mobilität.

Flexibilität und Eigeninitiative

Das klassische Normalarbeitsverhältnis ist auf dem Rückzug. Stattdessen wächst die Zahl frei vereinbarter Arbeitsverhältnisse, häufig nur auf Zeit. Der Strukturwandel ist in vollem Gange. Er wird unsere Arbeitswelt binnen eines Jahrzehnts stärker verändern, als dies in den vergangenen 150 Jahre der Fall war.

Sich laufend neue Qualifikationen anzueignen, häufiger den Job zu wechseln oder vielleicht auch mal eine Zeit lang arbeitslos zu sein – daran werden sich immer mehr Menschen gewöhnen müssen. Jeder Einzelne spielt künftig mit einem höheren Einsatz, und nur wer persönlich vorgesorgt hat, ist für das Alter oder den Notfall gut abgesichert.

Sehr viel stärker als noch vor einer Generation werden Berufsstarter in die Verantwortung genommen:

  • für ihre berufliche Orientierung,
  • für die soziale Absicherung,
  • für die Altersvorsorge.

Sich über die Möglichkeiten zu informieren und somit ganz persönliche Entscheidungen treffen zu können ist heute wichtiger denn je.

Gesellschaftlicher Wandel

In der Nachkriegszeit ist das System der sozialen Sicherung in Deutschland ständig fortentwickelt worden. Dennoch lässt es sich im Hinblick auf die gesellschaftlichen Veränderungen in seiner bisherigen Form nicht mehr aufrechterhalten, ohne die Bürger durch immer höhere Abgaben oder Kürzung von Leistungen zu belasten.

Wirtschaftswissenschaftler und Soziologen sind sich darin einig, dass Arbeitnehmer künftig flexibler sein müssen, auch was ihre Absicherung fürs Alter betrifft. Die gesetzliche Rentenversicherung kann in Zukunft nicht mehr allein den gewohnten Lebensstandard im Alter sichern. Die private und betriebliche Altersversorgung werden einen immer höheren Stellenwert bekommen.

Pflicht und Kür

Mit dem ersten Gehalt kommt auch die erste Lohnabrechnung. Darauf steht, was vom Bruttogehalt für die gesetzliche Sozialversicherung abgezogen wird. Mit diesem Geld werden staatliche Sozialleistungen finanziert. Arbeitnehmer und Auszubildende sind in der gesetzlichen Sozialversicherung pflichtversichert. Arbeitnehmer und Arbeitgeber teilen sich die Beiträge zur gesetzlichen Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. Lediglich zur Krankenversicherung muss der Arbeitnehmer zusätzlich noch einen Zusatzbeitrag aufbringen.

Die Beiträge zur gesetzlichen Unfallversicherung zahlt der Arbeitgeber allein. Die gesetzliche Sozialversicherung bietet einen Mindestschutz gegen wichtige existenzielle Risiken. Doch das System hat große Herausforderungen zu meistern, und Rundumschutz kann es nicht leisten.

Die eigene Zukunft zu sichern bedeutet deshalb in steigendem Maße, auch selbst die Initiative zu ergreifen, also zu überlegen, welche Risiken man tragen möchte und welche nicht, und dann aus eigener Tasche privat vorzusorgen. Das ist die Kür.

 
Kommentar [3 Kommentare]

Calorina Pilz am 09.09.2016 / 10:04 Diese Erklärung ist super es hat mir total weiter geholfen danke. jens am 23.09.2014 / 12:16 super Max Hagmann am 21.05.2014 / 12:28 Super Erklärung, danke für diese informative Internetseite.

Zusätzliche Informationen

Themen [Sozialversicherung]

Themen Sozialversicherung: Soziale Sicherung | Grundlagen | Solidar- und Äquivalenzprinzip | Zweige | Wandel | Reformen

Wissenswert

Lexikon: Solidarprinzip
Lexikon: Soziale Marktwirtschaft
Special: Was heißt hier sozial?

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