Berufseinstieg
Jeden Tag mit Menschen zu tun
| Bild: Nicole mit Akten
© Katja Rieger
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Ohne Teamarbeit läuft gar nichts

Unfälle sind für Nicole Schleicher etwas Alltägliches. Nicht ihre eigenen, sondern die anderer Menschen. Die 34-Jährige arbeitet als Großschadenreguliererin bei einer großen Versicherung mit Sitz in Wiesbaden. Auf ihrem Schreibtisch landen die besonders schweren Fälle, bei denen es um viel Geld geht. Ihre Aufgabe ist es, den Geschädigten umfassende Hilfe zukommen zu lassen und gleichzeitig die Schadensfolgen zu begrenzen, damit die Kosten für die Versicherung und dadurch die Beiträge für alle Versicherten möglichst gering bleiben. „Das erfordert schon einiges an Flexibilität“, sagt sie. „Ich weiß nie, was mich am nächsten Tag erwartet.“

So wie im Mai 2000, als Nicole ins Büro kam und die Fotos eines Lkw-Unfalls auf der Autobahn A7 auf ihrem Schreibtisch vorfand. Sie schnappte sich ihr Handy und fuhr los, um sich den Schaden selbst anzusehen. Das Fahrzeug war völlig ausgebrannt, die Autobahndecke schmolz vor sich hin, einige der geladenen Fässer drohten zu explodieren. Der Unfall hatte glücklicherweise keine Menschenleben gefordert, die ausgelaufenen Chemikalien und das Löschwasser drohten jedoch das Grundwasser zu verseuchen.

| Bild: Nicole am Schreibtisch
© Katja Rieger
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Die versicherte Firma, der der Lkw gehörte, war nicht zu erreichen, und der Lkw-Fahrer wusste nicht, was er geladen hatte. Zusammen mit den Einsatzkräften der Feuerwehr und Polizei vor Ort musste Nicole ruckzuck entscheiden: Welche Sachverständigen müssen her, was wird noch für Untersuchungen gebraucht, was muss schnell entsorgt werden, um die Umweltschäden möglichst gering zu halten? „Später im Büro ging die Arbeit dann erst richtig los“, erzählt sie. „Schaden ermitteln, Polizeiakten sichten, prüfen, was durch die Versicherung alles abgedeckt ist, Sachverständige einschalten, Umweltsanierungsmaßnahmen einleiten und so weiter.“ Am Ende gingen Geschädigte und Versicherer im Einvernehmen auseinander. Nach sechs Monaten konnte Nicole die Umzugskiste voller Akten, die sich bei dem Fall angesammelt hatten, endlich aus dem Büro räumen.

| Bild: Heiko
© Katja Rieger
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Jeden Tag mit Menschen zu tun

Bei Heiko Braun ist das anders, er hat mit Papierkram überhaupt nichts zu tun. Bei ihm läuft alles über den Computer. „Sogar die Post erscheint auf dem Bildschirm“, sagt der 30-jährige Versicherungskaufmann. Anstelle von Akten hat er Pflanzen auf dem Schreibtisch. Heiko betreut Kunden, die eine Lebensversicherung abgeschlossen haben. Auch er hat jeden Tag mit Menschen zu tun, meist am Telefon. „Da lernt man mit Leuten in den unterschiedlichsten Gefühlslagen umzugehen“, sagt er. „Mit einer Witwe, deren Mann bei uns versichert war und die mit dem ganzen Papierkram überfordert ist, rede ich natürlich ganz anders als mit einem Außendienstmitarbeiter, der nach einem Kundengespräch noch ein paar Detailfragen hat.“

Nicht nur durch seinen Beruf, sondern auch durch sein Engagement bei der freiwilligen Feuerwehr weiß er, wie nützlich Versicherungen sein können. „Es gibt einfach Risiken, die nicht vorhersehbar und vor allem nicht finanziell kalkulierbar sind.“ Übervorsichtig ist er durch seine Arbeit trotzdem nicht geworden. So fährt er zum Beispiel leidenschaftlich gern Motorrad. „Ein bisschen Spaß muss sein“, sagt er. „Aber ich glaube, ich bin da schon etwas vorsichtiger als die meisten anderen Motorradfahrer.“

| Bild: Daniela
© Katja Rieger
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Viele Quereinsteiger

Ständig mit den Wechselfällen des Lebens zu tun zu haben, macht nach Ansicht von Daniela Franke die Arbeit besonders interessant. „Und zwar für Frauen und Männer gleichermaßen“, sagt sie. „Das Verhältnis ist meistens 50:50.“ Die 34 Jahre alte Versicherungskauffrau hat schon 1994 ihre Ausbilder-Eignungsprüfung gemacht und arbeitet nun als Fachausbilderin. Wenn sie Unterlagen von jungen Bewerbern prüft, achtet sie vor allem auf deren Noten in Deutsch, Mathe und Gemeinschaftskunde. „Aber auch Teamfähigkeit ist wichtig“, sagt sie. „Und man sollte keine Angst vor Computern haben.“

Nicht nur Versicherungskaufleute werden in ihrem Betrieb ausgebildet, sondern auch Fachinformatiker, die Anwendungsprogramme entwickeln. Außerdem gibt es viele Quereinsteiger, zum Beispiel Mathematiker, Ingenieure, Agrarwissenschaftler – oder Juristen, wie die Großschadenreguliererin Nicole, die nach ihrem Studium zunächst in einer Kanzlei gearbeitet hatte. „Da war ich mehr oder weniger Einzelkämpferin“, erinnert sie sich. „Hier bei der Versicherung geht nichts ohne Teamarbeit – das gefällt mir viel besser.“


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