Rente
Deutschland braucht Nachwuchs

© Katja Rieger Eine ganz neue Welt
Wenn man Julia und Alexander aus Mannheim fragt, wer bei ihnen zu Hause das Sagen hat, kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen: Jonathan. Der ist gerade mal zehn Monate alt und nur 73 Zentimeter groß. Sprechen kann er noch nicht – dafür lächeln, glucksen, schreien, trinken, krabbeln und in die Windeln machen. Seine Eltern hat er fest im Griff. „So ein Baby – das ist einfach eine ganz neue Welt“, sagt Vater Alexander. „Bis vor zehn Monaten habe ich mir das alles noch überhaupt nicht vorstellen können.“ Das Elternsein macht den beiden nicht nur viel Arbeit, sondern auch viel Spaß. „Wir haben ständig was zu lachen“, sagt die Mutter.
Julia, Alexander und Jonathan sind eine junge Familie, wie sie in Deutschland immer häufiger vorkommt: Die Eltern sind beide über 30, haben studiert, sind erfolgreich im Beruf, und ihr Baby ist ein Wunschkind – nach reiflicher Überlegung. „Das ist doch heute ganz normal“, sagt Julia. „Nach so einer langen Ausbildung will man schließlich erst mal arbeiten und auf eigenen Beinen stehen. Und wenn der Job dann interessant ist und man immer mehr Verantwortung hat, will man das auch nicht einfach so schnell wieder aufgeben.“ Seit zwei Wochen arbeitet die Marketingmanagerin wieder halbtags in ihrer alten Firma und setzt alles daran, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen.

© Katja Rieger Deutschlands Geburtenrate – eine der niedrigsten der Welt
So wie Julia geht es vielen jungen Frauen in Deutschland. Umfragen zufolge wollen vor allem Hochschulabsolventinnen erst dann Kinder, wenn sie sich eine sichere berufliche Position erarbeitet und ausreichend Berufserfahrung gesammelt haben. Häufig wird dann aber nichts mehr aus den Kinderplänen: Von den 35- bis 39-jährigen Frauen mit Hochschulbildung haben 42 Prozent gar keine Kinder. Anfang der neunziger Jahre war es erst ein Drittel. Mit 1,3 Kindern pro gebärfähiger Frau gehört Deutschlands Geburtenrate heute zu den niedrigsten der Welt.
Das ist verheerend für das umlagefinanzierte deutsche Rentensystem: Immer weniger Erwerbstätige müssen für eine immer höhere Anzahl älterer Menschen aufkommen. Den Generationenvertrag halten Jonathans Eltern deshalb längst für überholt. „Der funktioniert schon lange nicht mehr“, sagt Alexander. „Wenn unser Sohn später mal eine Rente bekommt, dann wohl eher nicht vom Staat.“
Schon jetzt zahlen die jungen Eltern jeden Monat etwas Geld in eine Ausbildungsversicherung für Jonathan ein. Damit möchten sie sichergehen, dass ihr Sprössling seine Ausbildung oder sein Studium auch dann beenden kann, wenn ihnen etwas zustößt. Angesichts der aktuellen Diskussion um steigende Bildungskosten und Studiengebühren ist es besonders wichtig, sich frühzeitig über die Finanzierung der Ausbildung Gedanken zu machen.
Mit dem Thema Altersvorsorge hat sich Julia schon früh beschäftigt. Seit ihrem ersten Arbeitstag zahlt sie einen Teil ihres Gehalts in eine private Rentenversicherung ein. „Das war damals ein günstiger Vertrag, weil ich erst 24 war“, erinnert sie sich. „In dem Alter hat man zwar nicht viel Lust, sich mit Tod, Alter und Berufsunfähigkeit zu befassen, aber sinnvoll ist es trotzdem.“ Ob sie sich jetzt, seit sie ein Kind hat, noch häufiger Gedanken über solche Risiken macht als früher? Sie schüttelt den Kopf. „Momentan freue ich mich einfach jeden Tag aufs Neue über Jonathan und hab genug damit zu tun, den Alltag zu regeln.“
[< Zurück zum Überblick]
Zum Nachschlagen:
Betriebliche Altersversorgung
Demografischer Wandel
Drei-Säulen-Modell
Drei-Schichten-Modell
Generationenvertrag
Gesetzliche Rentenversicherung
Kapitaldeckungs-
verfahren
Private Altersvorsorge
Rentenniveau
Rentenreformen
Umlageverfahren
Versorgungslücke
Didaktische und methodische Hinweise für den Unterricht gibt es
> hier.
![Logo: Safety1st.de basic [Link zur Startseite] Logo: Safety1st.de basic [Link zur Startseite]](/images_basic/safety1st_basic_logo.gif)









Seite drucken
Seite versenden
Leserbrief schreiben