Rente
Im Alter abgesichert
Hans-Peter aus Nürnberg ist 63. Vor kurzem ist er in Rente gegangen und hatte von einem Tag auf den anderen plötzlich ziemlich viel Zeit. Daran musste er sich erst einmal gewöhnen.Safety 1st: Wie ist das so – mit der vielen Freizeit?
Hans-Peter: Meine Frau beschwert sich schon, dass ich immer im Weg stehe! Ich habe jetzt einen Computerkurs für Einsteiger gemacht. Und mich erholt – die letzten Berufsjahre waren nicht die besten.
Safety 1st: Wieso?
Hans-Peter: Die Reifenfirma, für die ich gearbeitet habe, wurde gleich zweimal hintereinander verkauft. Ich hatte Angst um meinen Arbeitsplatz, dazu kamen dann noch ein paar gesundheitliche Probleme. Und dann vor zweieinhalb Jahren der große Schreck, als meine Frau schwer krank geworden ist. Da fragt man sich schon, was von der viel beschworenen Freizeit im Alter übrig bleiben wird.
Safety 1st: Wie lange warst du denn berufstätig?
Hans-Peter: Ich bin schon mit 19 in die Firma gekommen – war genau 44 Jahre und zwei Monate in ein und demselben Unternehmen. Früher war so etwas ganz normal, heute schafft das wohl kaum noch jemand.
Safety 1st: Mit der satten Rente kannst du dir jetzt also ein schönes Leben machen?
Hans-Peter: Schön wär's! Ich kann zwar nicht klagen, aber wenn wir nur die gesetzliche Rente hätten, würde es uns nicht so gut gehen. Meine Frau hat immer nur Teilzeit gearbeitet und wenig verdient. Jetzt wird sie wohl auch früher aufhören müssen zu arbeiten – sie schafft es gesundheitlich einfach nicht mehr.
Safety 1st: Und wovon lebt ihr dann?
Hans-Peter: Ich hatte Glück: Als es in der Firma noch gut lief, hat mein Arbeitgeber jeden Monat für mich in eine betriebliche Altersversorgung eingezahlt. Jetzt bekomme ich daraus eine zusätzliche Betriebsrente. Außerdem habe ich auch privat vorgesorgt: Demnächst wird mir meine Lebensversicherung ausgezahlt. Damit kann ich dann meine gesetzliche Rente noch weiter aufstocken.
Das bringt die gesetzliche Rentenversicherung
Die Spannweite der Renten ist groß – je geringer der Verdienst während des Berufslebens und/oder je weniger Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt wurde (zum Beispiel wegen langer Berufsausbildung, Arbeitslosigkeit oder Selbstständigkeit), desto niedriger fällt die Rente später aus. Die Unterschiede zwischen West und Ost ergeben sich vor allem aus der großzügigen Umrechnung der noch in der DDR erworbenen Rentenansprüche. Frauen haben im Osten außerdem häufig länger gearbeitet als im Westen.Übrigens: Was man über die Grenze von 5.250 Euro (West) bzw. 4.550 Euro (Ost) hinaus im Monat verdient, wird für die Rentenversicherung grundsätzlich nicht berücksichtigt. In diesem Fall muss man mit einer noch größeren Lücke zwischen letztem Verdienst und gesetzlicher Rente rechnen!
Das System der Altersvorsorge
Die Altersversorgung in Deutschland stützt sich auf drei „Säulen“: die gesetzliche Rente, die betriebliche Altersversorgung und die private Vorsorge. Dieses System wird traditionell Drei-Säulen-Modell genannt (siehe Schaubild rechts).
Die gesetzliche Rentenversicherung wird durch das Umlageverfahren finanziert, das heißt: Die arbeitenden Jungen finanzieren durch ihre Beiträge die laufende Rente der Alten. Diese Vereinbarung wird auch Generationenvertrag genannt. Die Beiträge werden automatisch vom Gehalt abgezogen.
Bei der betrieblichen und privaten Altersvorsorge hingegen sparen die Versicherten ihre Beiträge auf einem persönlichen Konto für die spätere Auszahlung an. Diese Art der Finanzierung wird Kapitaldeckungsverfahren genannt. Derzeit werden rund 80 Prozent der Alterssicherung im Umlage- und rund 20 Prozent im Kapitaldeckungsverfahren finanziert.
Weil die gesetzliche Rentenversicherung jedoch schon seit Jahren in einer finanziellen Krise steckt, werden die betriebliche und private Altersvorsorge immer wichtiger. Hans-Peter aus dem Interview hat das früh erkannt und zusätzlich fürs Alter vorgesorgt. Als Rentner kann er nun seinen gewohnten Lebensstandard beibehalten und braucht sich nicht vor Altersarmut zu fürchten.Mit Beginn des Jahres 2005 ist das Alterseinkünftegesetz in Kraft getreten, mit dem einerseits die Rente stufenweise besteuert und andererseits das Vorsorgesparen fürs Alter besonders begünstigt wird. Der Staat unterstützt vor allem die Riester-Rente und Basisrente (vgl. dazu das Kapitel Krisenstimmung).
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Zum Nachschlagen:
Betriebliche Altersversorgung
Demografischer Wandel
Drei-Säulen-Modell
Drei-Schichten-Modell
Generationenvertrag
Gesetzliche Rentenversicherung
Kapitaldeckungs-
verfahren
Private Altersvorsorge
Rentenniveau
Rentenreformen
Umlageverfahren
Versorgungslücke
Didaktische und methodische Hinweise für den Unterricht gibt es
> hier.
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