Rente
Generationenvertrag

© Thomas Gonsior Kinder? Na klar!
Es klirrt und scheppert, und Luisa steht in einem Haufen von Scherben. Eigentlich wollte sie das Geschirr aus der Spülmaschine wegräumen. Aber dann war sie einen Moment lang abgelenkt. Luisa ist erst 16 Monate auf dieser Welt und entdeckt immer wieder etwas Neues. Den Teller in ihrer Hand hatte sie scheinbar völlig vergessen. Ihre Mutter Tina bleibt gelassen: „Ich kaufe Geschirr sowieso nur noch im Vorratspack.“ Luisa hält ihre Eltern ganz schön auf Trab. Für ihren Vater Jörg ist es ein bisschen wie Snowboardfahren: „Abends tun die Beine weh, aber es ist so schön, dass man am nächsten Morgen wieder gut gelaunt auf der Piste steht.“

© Thomas Gonsior Tina war 28 Jahre alt, als sie Luisa zur Welt brachte. Damit liegt sie im Trend. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sind Frauen in Deutschland heute meist 29,7 Jahre alt, wenn sie ihr erstes Baby bekommen. Durchschnittlich bringen sie dann 1,3 Kinder zur Welt. Zu wenig für Tina: „Wir möchten mindestens drei haben.“ Deutschland kann Kinder gut gebrauchen. Schließlich sind sie es, die einmal die Renten der älteren Generation erwirtschaften müssen. Im Moment tun das Tina und Jörg. Einen Teil ihres Gehalts zahlen sie in die gesetzliche Sozialversicherung ein und unterstützen so diejenigen, die alt, krank oder in Not sind.
Tina ist Innenarchitektin. „Mein Chef hat sich gefreut, als ich ihm gesagt habe, dass ich schwanger bin. Aber er hat auch gleich gefragt, wann ich denn nach der Geburt wieder einsteigen möchte.“ Fünf Wochen später hat Tina mit zehn Stunden pro Woche wieder angefangen – von zu Hause aus. Mittlerweile ist Luisa schon viel selbstständiger und geht regelmäßig zu einer Tagesmutter. So konnte Tina auch ihre Arbeitsstunden allmählich weiter erhöhen.
Vor drei Monaten hat die junge Familie das Haus bezogen, das sie gekauft haben. „Ich weiß, dass Eigentum nicht unbedingt die beste Vorsorge für die Zukunft ist und dass man sein Geld auch gewinnbringender anlegen kann,“ sagt Jörg. Aber ein Haus gibt den beiden ein sicheres Gefühl. Für sie ist es wichtig, dass ihre Kinder immer einen Ort haben, an den sie zurückkehren können, auch wenn sie irgendwann einmal ihr eigenes Leben führen. „Das Schöne an einer Familie ist ja, dass man sich gegenseitig hilft“, findet Tina. Aber das hängt natürlich davon ab, wie das Verhältnis zu den Kindern ist und wo sie arbeiten.
„Das Rentenniveau sinkt immer weiter“, stellt Jörg fest. „Deshalb ist es wichtig, selbst vorzusorgen.“ Er hat vor ein paar Jahren einen Riester-Vertrag abgeschlossen. Der Staat belohnt ihn mit Zulagen und steuerlichen Vorteilen dafür, dass er Geld für das Alter zurücklegt. „Mit Kindern lohnt sich das noch mehr“, sagt Jörg. Nun bekommt er nämlich noch eine Kinderzulage. Da sie verheiratet sind, profitiert auch Tina von diesem Vertrag. Seit sie Luisa haben, machen sich die beiden viel mehr Gedanken um eine sichere Zukunft als früher. Vielleicht müssen sie das aber auch gar nicht. Bei dem, was Luisa an Scherben produziert, werden sie nämlich bestimmt Glück haben.
Was wird aus der Rente?
„Kinder kriegen die Leute immer“, sagte der erste Kanzler der Bundesrepublik, Konrad Adenauer, im Jahr 1957. Leider lag Adenauer mit seiner Prognose nicht so ganz richtig, denn die Deutschen bekommen heute immer weniger Nachwuchs. Gleichzeitig werden sie dank des medizinischen Fortschritts immer älter. Standen im Jahr 2005 einem Rentner noch 3,2 potentielle Beitragszahler gegenüber, wird sich dieses Verhältnis bis zum Jahr 2030 auf 1:1,9 reduzieren (siehe Schaubild rechts). Dieser sogenannte demografische Wandel stellt das gesamte soziale System vor große Probleme: Die Anzahl derjenigen, die arbeiten und in die Sozialkassen einzahlen, sinkt – die Anzahl derjenigen, die Anspruch auf Sozialleistungen haben, nimmt zu. Weitere Faktoren, zum Beispiel die finanziellen Lasten der Wiedervereinigung Deutschlands, die hohe Arbeitslosigkeit und die Frühverrentung, verschärfen die Lage zusätzlich.
Die finanzielle Grundlage der gesetzlichen Rentenversicherung beginnt also allmählich zu bröckeln. Wer im Alter gut versorgt sein will, kann sich nicht mehr allein auf die gesetzliche Rente verlassen. Die betriebliche und die private Altersvorsorge werden deshalb immer wichtiger, um den im Erwerbsleben erreichten Lebensstandard auch im Alter zu halten. Wer zusätzlich für das Alter spart, wird vom Staat zunehmend steuerlich gefördert (mehr dazu unter Krisenstimmung).
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Zum Nachschlagen:
Betriebliche Altersversorgung
Demografischer Wandel
Drei-Säulen-Modell
Drei-Schichten-Modell
Generationenvertrag
Gesetzliche Rentenversicherung
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Private Altersvorsorge
Rentenniveau
Rentenreformen
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